“Killerspiele” sollen einen eigenen Studiengang bekommen. An der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften soll es ab nächsten Jahr März einen neuen Master-Studiengang namens “Sound, Vision, Games” geben. Professor Gunther Rehfeld wird die erste Gruppe von 20 Studenten betreuen.
Im Interview mit “Neues Deutschland” legt er seine Gründe dar, warum es sinnvoll ist den Schritt eines solchen Master-Studieganges zu verwirklichen.

Spiel ist ein Kulturgut. Spiel ist die grundsätzliche Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Welt. Kinder lernen beim Spiel, und die Spielindustrie ist eine Entertainmentindustrie, genauso wie der Film. Schauen Sie sich doch ein Buch wie »American Psycho« und dessen Kinoversion an. Beide sind an Brutalität kaum zu übertreffen gewesen, und trotzdem hat da niemand von »Killer«-Film oder »Killer«-Buch geredet.

Wenn es nach ihm ginge, dann nutze ein Verbot im Bereich der digitalen Medien gar nichts. Um aber mit den eigenen Kindern auf gleicher Augenhöhe diskutieren zu können, ist es wohl unerlässlich, dass sich die Eltern mit ihrem Nachwuchs beschäftigen, sich anschauen was sie spielen und als Ansprechpartner dienen, um eben von den Kindern ernst genommen zu werden.
Isolation, ein weiterer Kritikpunkt der oft in der Vergangenheit gefallen ist, im Zusammenhang mit den Auslösern von Amokläufen. Auch diese Frage dementiert der Professor.

Vernetzte Spiele ermöglichen Kommunikation für Leute, die sonst keine Kommunikation haben. Gerade im MMO-Bereich (»Massive Multiplayer Onlinegames«) bilden sich oft internationale Vereinigungen. Die Spielkonsole Wii, der Umsatzrenner von Nintendo, wird übrigens gemeinsam als familiäres Event im Wohnzimmer genutzt. Das ist viel kommunikativer und kreativer als jede Fernsehsitzung, bei der man schweigend vor einem Bildschirm sitzt.

Die Master-Studenten sollen während des neuen Master-Studiengangs erlernen neue Spielideen zu entwickeln sowohl für Konsole als auch für Vernetzung. Außerdem haben erfolgreiche Absolventen beste Aussichten später auf dem Arbeitsmarkt Stellen zu bekommen. Trotz der Krise ist die Spielebranche ein Wachstumssektor und Deutschland muss achtgeben nicht ins Hintertreffen zu gelangen. Im Vergleich zu asiatischen Ländern, wo Computerspielwettkämpfe schon höhere Einschaltquoten erzielen als die normalen Fernsehprogramme, sieht man spätestens jetzt die Entwicklung der Spielkultur. Wonach Deutschland sicherlich strebt bzw. muss um weiter im Geschäft zu bleiben.
Na hoffentlich wird das nicht auch noch verboten. Endlich haben da welche mitgedacht und beginnen das Potenzial der Zukunft zu erkennen. Es sollte noch viel mehr solcher Studiengänge geben. Ich würde den direkt besuchen, wenn ich noch die Wahl hätte. Wer noch?

Quelle: Neues Deutschland

Dieser Beitrag wurde am 7. September 2009 um 4:40 Uhr geschrieben und abgelegt unter der Kategorie Medien. Du kannst alle Resonanz zu diesem Beitrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst eine Resonanz, oder ein Trackback von deiner Webseite setzen..

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